Gedichte von Kurt Tucholsky (deutscher Journalist und Schriftsteller)

Kurt Tucholsky
Kurt Tucholsky war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.
Tucholsky zählt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor, Lyriker und Kritiker (Literatur, Film, Musik). Er verstand sich selbst als linker Demokrat, Sozialist, Pazifist und Antimilitarist und warnte vor der Erstarkung der politischen Rechten – vor allem in Politik, Militär und Justiz – und vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus.

Quelle: Wikipedia

zitat Agathe, wackel nicht mehr mit dem Busen!
Die letzten roten Astern trag herbei!
Laß die Verführungskünste bunter Blusen,
Das Zwinkern laß, den kleinen Wohllustschrei...
Nicht mehr für dich foxtrotten meine Musen -
Vorbei - vorbei -
Es schminkt sich ab der Junggesellenmime:
Leb wohl! Ich nehm mir eine Legitime!

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Kurt Tucholsky

Abschied Alter Frauen Hochzeit
zitat Wenn ich mal wütend bin
Auf meinen Theo
Und er mir Szenen macht,
Weil ich mit Leo,
Wenn er dann "Dirne" schreit
Und wer weiß was spricht,
Wenn er mich gar bespeit,
Weil er so naß spricht,

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Kurt Tucholsky

Geduld Gewalt Lustig Schimpfen Streit Wut
zitat Siebzig Jahre ist das nun her.
Siebzig Jahre wiegen so schwer.
Schwarz-rot-goldene Fahnen flatterten,
Vater Wrangels Musketen knatterten -
Wofür?

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Kurt Tucholsky

Deutschland Feind Gewalt Krieg
zitat Alle stehn um dich herum:
Fotograf und Mutti
und ein Kasten, schwarz und stumm,
Felix, Tante Putti...
Sie wackeln mit dem Schlüsselbund,
fröhlich quietscht ein Gummihund.

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Kurt Tucholsky

Alter Kinder Lachen Lustig Wahrheit Weinen
zitat Mädchen, kein Casanova
hätte dir je imponiert.
Glaubst du vielleicht, was ein doofer
Schwärmer von dir phantasiert?
Sänge mit wogenden Nüstern
Romeo, liebesbesiegt,
würdest du leise flüstern:
"Woll mit die Pauke jepiekt -?"

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Kurt Tucholsky

Feiern Freiheit Freude Leben Mädchen
zitat Marie - Du ringst die derben Hände:
"Du Sündenbabul! Pfui Berlin!"
So streust Du über das Gelände
Den Dung und die Entrüstung hin.
So geußest Du ob dem gewellten
Asphaltreich den Kritikbericht...
Marie - es dürfen viele schelten!
Du nicht!

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Kurt Tucholsky

Klagen Krieg Kritik Schimpfen Schweigen
zitat Legt man die Hand jetzt auf die Gummiwaren?
Erinnre, Claire, dich an deine Pflicht!
Das geht nicht so wie in den letzten Jahren:
Du bist steril, und du vermehrst dich nicht!

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Kurt Tucholsky

Deutschland Ehre Kinder Krieg Pflichten Ruhm Soldaten
zitat Du schlägst die kriegerisch-verstimmte Leier,
du singst von Haß und Blut und Pulverrauch -
und heißt vielleicht nur Gottlob Emil Meier,
sanft wölbt sich dir der Zwei-Terrassen-Bauch ...

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Kurt Tucholsky

Gewalt Hass Krieg Leiden Ruhm Soldaten
zitat Peter Panter, Mitarbeiter!
Steig doch auf die hohe Leiter!
Singe doch von aktuellen
Zeitgenossenzwischenfällen!

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Kurt Tucholsky

Leben
zitat Du lebst noch nicht.
Ich seh dich so lebendig:
ein kleiner gelber Schopf, die Augen blau;
ich seh dich an und such beständig
die Züge einer lieben Frau.

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Kurt Tucholsky

Kinder Leben Leiden
zitat Die Residenz!
Gu'n Tag, du Metropole!
Da ist auch schon der Alexanderplatz...
Verstatte, daß ich mich das Schneuztuch hole,
das Herz schlägt stürmisch unterm Busenlatz.
Du gute Spree mit dem geduldigen Rücken,
der Ruderklubs und der Mamsells Entzücken -
ich seh dich still und mächtig dreckig ziehn ...
Berlin!

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Kurt Tucholsky

Heimat Menschen Reisen Städte
zitat Dir gefallen die Beine nicht,
dir gefällt die Kleine nicht,
dir gefällt die Große nicht,
und du magst die Sauce nicht.
Dir gefällt der Opel nicht,
und du wärst kein Popel nicht,
und dir schmeckt der Steinwein nicht,
und dir schmeckt der Rheinwein nicht...
Lieber Freund, besinn dich drauf:
Worauf herauf - ?

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Kurt Tucholsky

Denken Gedanken Klagen Kritik
zitat Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...

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Kurt Tucholsky

Arbeit Augen Leben Menschen Probleme Städte
zitat Einmal müssen zwei auseinandergehn;
einmal will einer den andern nicht mehr verstehn—
einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –
wer ist daran schuld?
Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.
Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.
Jeder trägt den andern mit sich herum –
etwas bleibt immer zurück.

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Kurt Tucholsky

Abschied Allein Loslassen Schicksal Schuld Unendlich Zukunft
zitat Nun spuckt sich der Berliner in die Hände
und macht sich an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet sich von Anfang bis zu Ende
durch diese Faschingszeit.

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Kurt Tucholsky

Arbeit Feiern Städte
zitat Herr Meyer, Herr Meyer - und hörst du es nicht,
Das wilde, das grause, des dumpfe Gerücht:
Ein Licht!
Ein Licht in der russischen Botschaft!

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Kurt Tucholsky

Gerücht Licht Lustig
zitat Revolution? Aber kein Gedanke!
Es brodelt im Hexenkessel der Panke,
es hupen die Autos, es knattern die Flinten,
Demonstrationen vorne und hinten -
Tun sie auch so wie die Menschenfresser:
die Panke war stets ein stilles Gewässer.

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Kurt Tucholsky

Frieden Gedanken Gesellschaft Gewalt Glück Krieg Pflichten Städte
zitat Steht dir der Sinn nach Liebe in den Orten
Westend bis Köpenick:
Dann senk den Blick
und unterscheide im Objekte die drei Sorten:
Da gibt es Frauen mit den Scheitelhaaren,
gepunztes Silber auf dem falschen Busen,
teils im Reformkleid, teils in Eigenblusen,
die einmal - ach, wie weit! - fast reinlich waren
(jetzt dunkelweiß).

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Kurt Tucholsky

Frauen Menschen Städte Suche
zitat Du schläfst bei mir. Da plötzlich, in der
Nacht, du liebe Dame,
Bist du mit einem Laut mir jäh erwacht -
War das ein Name?

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Kurt Tucholsky

Nacht Schlafen Zukunft
zitat Da ist ein Land - ein ganz kleines Land -
Japan heißt es mit Namen.
Zierlich die Häuser und zierlich der Strand,
zierlich die Liliputdamen.
Bäume so groß wie Radieschen im Mai.
Turm der Pagode so hoch wie ein Ei -
Hügel und Berg
Klein wie ein Zwerg.

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Kurt Tucholsky

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