Joachim Ringelnatz Gedichte - Ich wollte Dir was dezidieren

Joachim Ringelnatz
Ich wollte Dir was dezidieren,
nein schenken; was nicht zuviel kostet.
Aber was aus Blech ist, rostet,
und die Messinggegenstände oxydieren.

Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach ich extra noch
Was hinzu, auch kleine Witze.
Wär bei dem, was ich besitze,
etwas Altertümliches dabei -
doch was nützt Dir eine Lanzenspitze!

An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.
Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und Du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.

Nein - das Sofa und so große Dinge
kommen überhaupt nicht in Betracht.
Außerdem gehören sie nicht mir.
Ach, ich hab die ganze letzte Nacht
rumgegrübelt, was ich Dir
geben könnte. Schlief deshalb nur eine,
allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluss hab ich doch nur dies kleine,
lumpige verschlissne Ding gefunden.

Aber gern hab' ich für Dich gewacht.
Was ich nicht vermochte, tu Du's: Drücke Du
nun ein Auge zu
und bedenke,
dass ich Dir fünf Stunden Wache schenke.
Lass mich auch in Zukunft nicht in Ruh.

Joachim Ringelnatz (deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Geburtstag Gedanken Gefühle Geschenke

Weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz

Miliz So gut wie schlecht Die Litfaßsäulen Die Schnupftabaksdose Fand meinen einen Handschuh wieder Der Mann der meine Schuhe putzt Nichts geschieht Brief auf Hotelpapier Der Seriöse Die Lupe bietet sich an Von einem, dem alles danebenging Nie bist du ohne Nebendir Ein Pflasterstein, der war einmal Lustig quasselt Der Komiker Bürger, den ich meine Liedchen Schnauz und Miez Es lebe die Mode! Ein ehemaliger Matrose fliegt Angstgebet in Wohnungsnot Morgenwonne Ein Strolch sieht spielende Kinder Was dann? Der Zahnfleischkranke Es war ein Stahlknopf irgendwo Dreiste Blicke Der Unfall Von dem großen Elefanten Der Sperling und das Känguru Draußen schneits Dickhäuter Die Kartenlegerin Das scheue Wort Zwei Tannenwurzeln Der Bücherfreund Der Athlet Das Mädchen mit dem Muttermal Das Geschwätz Aneinander vorbei Aus dem Tagebuch eines Bettlers Pinguine Im Park Einsamer Spazierflug Ein männlicher Briefmark erlebte Ansprache eines Fremden Das Geseires einer Aftermieterin Der Sänger Die Ameisen Doch ihre Sterne kannst du nicht verschieben Berlin Ein ganzes Leben Aus Drei Tage Tirol Heimatlose Weihnachten Das Schlüsselloch Insel Hiddensee Ein Stück Bierflasche Fliegerleute Heimatlose Essen ohne Dich Septembertag Winter Nebel am Wattenmeer Vorfreude auf Weihnachten Die Feder Begrüßung eines soeben Gelandeten Ein Nagel saß in einem Stück Holz Die Frau mit der Reiherfeder Blues Babies Flugzeuggedanken Eine Zuschauerin im Flughafen Neuschnee Ehrgeiz An meinen Lehrer Die Fliege im Flugzeug Das Nasobem Der letzte Tag vergangnen Jahrs Der sächsische Dialekt Lebhafte Winterstraße Arm Kräutchen Deutsche Sommernacht Auf dem Fliegenplaneten An der alten Elster Das Turngedicht am Pferd Sommerfrische Aus meiner Kinderzeit In der Neujahrsnacht Schöne Fraun mit schönen Katzen Der Glückwunsch Genau besehn Abgesehen von der Profitlüge Auf den eisbedeckten Scheiben Entschuldigungsbrief Aus der Kundenkunde Freundschaft Enttäuschter Badegast Die Flucht der Heiligen Familie Ein Taschenkrebs und ein Känguruh Das Herz laviert nicht Arm Kräutchen Einsiedlers Heiliger Abend Ich wollte Dir was dezidieren Ab Kopenhagen Aus der Vogelkunde Der letzte Weg An die Masse An meinen Kaktus Aufgebung Am Hängetau An M. Am Barren An M. An Alfred Schloßhauer Frucht-Zucht-Frucht Freiübungen An einem Teiche Ferngruß von Bett zu Bett Großer Vogel Die Krähe Die Badewanne An meinen Zigarettenrauch Ach wie schön, dass Du geboren bist An meine Herberge in Stuttgart Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Datteldu An ein startendes Flugzeug Am Sachsenplatz - Die Nachtigall An Land August 1929 Abermals in Zwickau Brautnacht Abendgebet einer erkälteten Negerin Abschied der Seeleute Abschied von Renée