Kurt Tucholsky Gedichte - An die Marie vom Lande

Kurt Tucholsky
Marie - Du ringst die derben Hände:
"Du Sündenbabul! Pfui Berlin!"
So streust Du über das Gelände
Den Dung und die Entrüstung hin.
So geußest Du ob dem gewellten
Asphaltreich den Kritikbericht...
Marie - es dürfen viele schelten!
Du nicht!

Bedenk, wir könnten Dir erschließen,
wie bei Dir draußen auf dem Land
- dem rechts der Elbe - Preise sprießen
die vormals dort kein Mensch gekannt.
Wir könnten Dir so manches zeigen
Von Polenarbeit, Menschenpflicht...
Es ist jetzt Krieg - und wir, wir schweigen.
Du nicht.

Wir sind durchaus nicht so begeistert,
von allem, was die Panke beut:
der Schieber, der die Wechsel meistert,
die Dame, die den Schieber freut;
das Kino-Café gegenüber,
der Händler, den der Hafer sticht...
Es gibt ja manche, die stehn drüber.
Du nicht.

Hör auf, uns sauer anzumucken -
Bei uns hast du damit kein Glück.
Man kann zwar leicht nach unten spucken,
nach oben nicht - das fällt zurück.
Hier ziehts! Du kannst Dich leicht erkälten -
Und Du stehst selber vor Gericht.
Marie - es dürfen viele schelten!
Du nicht!

Kurt Tucholsky (deutscher Journalist und Schriftsteller)

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