Gustav Falke Gedichte - Deutsche Weihnacht 1914

Gustav Falke
Erstarrte Hügel, winterliche Welt,
Helmspitzen, schlichte Kreuze, Grab an Grab.
Und auf die Helden, Freund und Feind, die hier
der Tod gesellt,
neigt segnend sich die heilige Nacht herab.

Und Sterne leuchten. Frommer Friede webt
um das entschlafene Gefild der Schlacht.
Kein Kampfgeschrei. Kein brüllendes Geschoß.
Zum Himmel schwebt
kein Seufzer mehr empor. - Es ist vollbracht.

Doch geistern Stimmen um die Hügel her.
Die Luft, von unsichtbarem Chor erfüllt,
scheint glänzender. Und seltsam klingt es, schwillt,
bald ernst und schwer,
bald kriegerisch, stolz, jubelnd, glanzumhüllt.

- Daheim, in Deutschland, schlagen Glocken an,
und Kinder singen um den Weihnachtsbaum.
Die Alten weinen. Doch die Knaben - seht! -
Bald sind sie Mann,
und Deutschlands Zukunft träumt in ihrem Traum.

Und abseits, todeswund, im Lazarett
liegt ein Soldat, der starrt in Fieberbrand
mit heißen Augen auf des Heilands Bild
vor seinem Bett:
"Du starbst für mich, ich sterbe - für - - mein - - - Land."

Und irgendwo auf einer Kanzel steht
ein alter Mann in weißem Haar, der spricht
von Deutschland, und sein welkes Antlitz flammt,
und sein Gebet
ist lauter Glut und heilige Zuversicht.

"Starker, gerechter Gott! Auf Dich vertraut
ein ganzes Volk in seinem heiligen Streit.
Du führst es wunderbar durch Nacht und Not,
und Friede taut
aus Deiner Hand, und Licht, und Herrlichkeit. Amen."

Gustav Falke (deutscher Schriftsteller)

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