Joachim Ringelnatz Gedichte - Der Athlet

Joachim Ringelnatz
Mein Name ist Murxis, der Kraftmensch genannt.
Meine Nahrung ist Goulasch vom Elefant
In einer Sauce des Stärkemehles.
Meine Heimat ist das Zentrum Südwales,
Upsala!

Ich wurde durch einen Kaiserschnitt
Geboren, mit Hilfe von Dynamit.
Daß ich noch lebte, war reines Glück.
Von meiner Mutter blieb wenig zurück.
Zwanzig Kilogramm mit dem kleinen Finger.

Man baute um mich eine Art von Dock.
Mit Strebestützen im sechzehnten Stock
Eines Wolkenkratzers von Rockefeller.
Das Stockwerk brach, man fand mich im Keller
Mit verschränkten Armen.

Ich war in allen Städten der Welt
Als Muster von Herkules ausgestellt.
Wer das bezweifelt – fünf Groschen –, der fordre
An der Kasse die Wachskabinettsordre.
Ich nenne mich selbst den Venus von Milo.
Bruttogewicht: zweihundert Kilo!

Es haben mich Königinnen betastet.
Ich habe einmal drei Wochen gefastet
Und unternehme auch heute noch Schritte
Zu meiner Entlastung. Und deshalb bitte
Ich die Herrschaften um ein kleines Douceur.

Joachim Ringelnatz (deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Essen Lustig Sport

Weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz

Miliz So gut wie schlecht Nichts geschieht Heimatlose Lustig quasselt Schöne Fraun mit schönen Katzen Von einem, dem alles danebenging Zwei Tannenwurzeln Im Park Schnauz und Miez Morgenwonne Nie bist du ohne Nebendir Liedchen Der Sperling und das Känguru Nebel am Wattenmeer Insel Hiddensee Der Seriöse Fand meinen einen Handschuh wieder Von dem großen Elefanten Ein Stück Bierflasche Die Litfaßsäulen Die Schnupftabaksdose Der Mann der meine Schuhe putzt Es lebe die Mode! Angstgebet in Wohnungsnot Brief auf Hotelpapier Die Lupe bietet sich an Ein Pflasterstein, der war einmal Winter Heimatlose Bürger, den ich meine Der Komiker Es war ein Stahlknopf irgendwo Was dann? Fliegerleute Draußen schneits Ein ehemaliger Matrose fliegt Dickhäuter Pinguine Ein Strolch sieht spielende Kinder Dreiste Blicke Der Unfall Der Zahnfleischkranke Ein männlicher Briefmark erlebte Großer Vogel Das scheue Wort Der Athlet Der Bücherfreund Die Kartenlegerin Essen ohne Dich Begrüßung eines soeben Gelandeten Das Mädchen mit dem Muttermal Aneinander vorbei Die Ameisen Das Geschwätz Septembertag Ein ganzes Leben Aus dem Tagebuch eines Bettlers Flugzeuggedanken Neuschnee Eine Zuschauerin im Flughafen Das Geseires einer Aftermieterin Einsamer Spazierflug Der Sänger Berlin Weihnachten Die Feder Ein Nagel saß in einem Stück Holz Doch ihre Sterne kannst du nicht verschieben Ansprache eines Fremden Das Schlüsselloch Die Fliege im Flugzeug Aus Drei Tage Tirol Die Krähe Arm Kräutchen Vorfreude auf Weihnachten Das Nasobem Ehrgeiz Die Badewanne Auf dem Fliegenplaneten Aus meiner Kinderzeit Die Frau mit der Reiherfeder Genau besehn Blues Lebhafte Winterstraße Enttäuschter Badegast Babies Der letzte Tag vergangnen Jahrs Deutsche Sommernacht Das Turngedicht am Pferd An meinen Lehrer Sommerfrische Ein Taschenkrebs und ein Känguruh Auf den eisbedeckten Scheiben Der sächsische Dialekt An der alten Elster Der Glückwunsch In der Neujahrsnacht Ab Kopenhagen Aus der Kundenkunde Abgesehen von der Profitlüge Aus der Vogelkunde Arm Kräutchen Die Flucht der Heiligen Familie An M. An ein startendes Flugzeug Entschuldigungsbrief Freundschaft Ich wollte Dir was dezidieren Einsiedlers Heiliger Abend Am Sachsenplatz - Die Nachtigall Das Herz laviert nicht Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Datteldu An meinen Kaktus An die Masse Frucht-Zucht-Frucht Ferngruß von Bett zu Bett Am Hängetau Freiübungen Am Barren An M. Der letzte Weg Aufgebung An einem Teiche Abermals in Zwickau Ach wie schön, dass Du geboren bist Abendgebet einer erkälteten Negerin An Alfred Schloßhauer August 1929 An Land An meinen Zigarettenrauch An meine Herberge in Stuttgart Abschied der Seeleute Brautnacht Abschied von Renée