Gustav Falke Gedichte - Der Blick

Gustav Falke
So sah ich es: Ein feiner Knabe stand
im Herrenpark und träumte durch das Tor.
Die dunklen Augen, wie im Trauerflor,
wankten gleich Bettlern in das weite Land.

So hört' ich es: Der stolze Knabe fing
auf stiller Heide sich ein heimlich Glück -
und kehrte in sein goldnes Schloß zurück:
Die Schäferstochter trägt den Grafenring.

So weiß ich es: Wenn dieser Knabe stirbt,
ein alter Mann in vieler Enkel Kreis,
hat einen letzten Blick noch dieser Greis,
der um ein ungelöstes Rätsel wirbt,

gleich jenem Knabenblick, der sich durchs Tor
des Parkes in die Leere einst verlor.

Gustav Falke (deutscher Schriftsteller)

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