Joachim Ringelnatz Gedichte - Ein ehemaliger Matrose fliegt

Joachim Ringelnatz
Ich bin einst in Seemannsjahren
Oft elbauf, elbab gefahren.
Auf der Seite, wo wir dann Stadt Altona
Sichteten, stand ich an Deck und sah.

Sah ein Haus. Vom Schornsteinruß geschminkt
Kiekt es lustig nach der Elbe hin.
Und ich wußte: Meta wohnt darin.
Wenn ich dort vorbeigefahren bin,
Hat sie mir und hab ich ihr gewinkt,
Ein Signal "Ich liebe dich".
Und ich sah sie, und sie sah auch mich.

Heute flog ich über das vertraute
Altona. Hab nicht das Haus entdeckt.
Doch ich Hab die Hand hinausgestreckt,
Hab gewinkt, wie ich es einst getan.
Und ich wußte: Meta schaute,
Winkte auf nach meinem Wolkenkahn
Oder, wie sie's nennen, "Aeroplan".

Wenn man sich auch sonst von nah,
Teufel eins, viel lieber sah,
Dacht ich doch verliebt und bang
Oben dort im Wolkenhang:

Wenn ich jetzt hinunterstürze,
Fängt mich Meta in der Schürze
Auf.

Joachim Ringelnatz (deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Reisen Schiff See

Weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz

Miliz So gut wie schlecht Nichts geschieht Die Litfaßsäulen Fand meinen einen Handschuh wieder Brief auf Hotelpapier Der Seriöse Von einem, dem alles danebenging Der Mann der meine Schuhe putzt Die Schnupftabaksdose Nie bist du ohne Nebendir Schnauz und Miez Liedchen Lustig quasselt Ein Pflasterstein, der war einmal Die Lupe bietet sich an Bürger, den ich meine Es lebe die Mode! Der Komiker Schöne Fraun mit schönen Katzen Morgenwonne Angstgebet in Wohnungsnot Der Sperling und das Känguru Ein ehemaliger Matrose fliegt Was dann? Zwei Tannenwurzeln Von dem großen Elefanten Ein Strolch sieht spielende Kinder Es war ein Stahlknopf irgendwo Dickhäuter Der Unfall Dreiste Blicke Der Zahnfleischkranke Draußen schneits Im Park Die Kartenlegerin Das scheue Wort Der Bücherfreund Der Athlet Das Mädchen mit dem Muttermal Das Geschwätz Pinguine Aneinander vorbei Heimatlose Ein männlicher Briefmark erlebte Aus dem Tagebuch eines Bettlers Insel Hiddensee Einsamer Spazierflug Das Geseires einer Aftermieterin Ein Stück Bierflasche Die Ameisen Berlin Ansprache eines Fremden Der Sänger Ein ganzes Leben Doch ihre Sterne kannst du nicht verschieben Fliegerleute Heimatlose Nebel am Wattenmeer Das Schlüsselloch Aus Drei Tage Tirol Weihnachten Septembertag Essen ohne Dich Begrüßung eines soeben Gelandeten Ein Nagel saß in einem Stück Holz Die Feder Winter Eine Zuschauerin im Flughafen Flugzeuggedanken Vorfreude auf Weihnachten Die Frau mit der Reiherfeder Ehrgeiz Blues Babies Neuschnee Die Fliege im Flugzeug Das Nasobem An meinen Lehrer Arm Kräutchen Der sächsische Dialekt Der letzte Tag vergangnen Jahrs Deutsche Sommernacht Lebhafte Winterstraße Auf dem Fliegenplaneten Genau besehn Aus meiner Kinderzeit Sommerfrische Das Turngedicht am Pferd An der alten Elster Der Glückwunsch In der Neujahrsnacht Ein Taschenkrebs und ein Känguruh Enttäuschter Badegast Auf den eisbedeckten Scheiben Aus der Kundenkunde Abgesehen von der Profitlüge Entschuldigungsbrief Arm Kräutchen Freundschaft Das Herz laviert nicht Die Flucht der Heiligen Familie Ab Kopenhagen Ich wollte Dir was dezidieren Aus der Vogelkunde Einsiedlers Heiliger Abend An die Masse Der letzte Weg An meinen Kaktus Aufgebung Am Hängetau An M. An M. Die Badewanne Am Barren Großer Vogel Frucht-Zucht-Frucht Ferngruß von Bett zu Bett Die Krähe Freiübungen An Alfred Schloßhauer An einem Teiche Ach wie schön, dass Du geboren bist Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Datteldu An meinen Zigarettenrauch An meine Herberge in Stuttgart An ein startendes Flugzeug Am Sachsenplatz - Die Nachtigall An Land August 1929 Abendgebet einer erkälteten Negerin Abermals in Zwickau Brautnacht Abschied der Seeleute Abschied von Renée