Joachim Ringelnatz Gedichte - Ein Strolch sieht spielende Kinder

Joachim Ringelnatz
Die kleinen Kinder sind so groß.
Sie umarmen sonnigen Sand.
Mir geben sie einfach einen Stoß
Und greifen nach einer Frauenhand.
Sie jauchzen ohne Scham und Verstand
Nackt in eines Fräuleins Schoß.

Soll ich sie nach dem Wege fragen,
Weil ich mich nicht an Erwachsne getrau.
Sie wissen mir doch nichts zu sagen,
Zeigen mir nur ein fremdes Geschau,
Wie - Seehunde unter Menschen verschlagen.

Die Kinder sind so groß. Ich bin klein.
Sie sind so sauber; ich bin ein Schwein.
Ich suche Arbeit und Geld und Bett.
Sie wollen nur ins Freie.

Wenn ich Kinder - oder eine Mutter hätt' -

Wie sie es schreien, ihr Ringelreihe!
Wer möchte ihnen das Spiel verderben.
Aber doch: Jetzt - so - müßten sie sterben.

Joachim Ringelnatz (deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Alter Erkenntnis Kinder

Weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz

Miliz Der Mann der meine Schuhe putzt Die Litfaßsäulen Brief auf Hotelpapier Die Lupe bietet sich an Die Schnupftabaksdose Fand meinen einen Handschuh wieder Der Seriöse Nichts geschieht Bürger, den ich meine So gut wie schlecht Von einem, dem alles danebenging Ein Pflasterstein, der war einmal Der Komiker Lustig quasselt Ein ehemaliger Matrose fliegt Nie bist du ohne Nebendir Liedchen Schnauz und Miez Es war ein Stahlknopf irgendwo Der Zahnfleischkranke Es lebe die Mode! Ein Strolch sieht spielende Kinder Angstgebet in Wohnungsnot Was dann? Dreiste Blicke Dickhäuter Von dem großen Elefanten Der Unfall Das scheue Wort Der Bücherfreund Draußen schneits Die Kartenlegerin Der Athlet Das Geschwätz Aneinander vorbei Aus dem Tagebuch eines Bettlers Der Sperling und das Känguru Morgenwonne Pinguine Zwei Tannenwurzeln Einsamer Spazierflug Ansprache eines Fremden Im Park Das Geseires einer Aftermieterin Die Ameisen Der Sänger Berlin Ein männlicher Briefmark erlebte Doch ihre Sterne kannst du nicht verschieben Das Mädchen mit dem Muttermal Aus Ein ganzes Leben Drei Tage Tirol Das Schlüsselloch Weihnachten Fliegerleute Insel Hiddensee Heimatlose Septembertag Ein Stück Bierflasche Heimatlose Essen ohne Dich Die Frau mit der Reiherfeder Babies Blues Die Feder Begrüßung eines soeben Gelandeten Vorfreude auf Weihnachten Nebel am Wattenmeer Eine Zuschauerin im Flughafen Flugzeuggedanken Ein Nagel saß in einem Stück Holz Ehrgeiz An meinen Lehrer Winter Der sächsische Dialekt Die Fliege im Flugzeug Das Nasobem Neuschnee Der letzte Tag vergangnen Jahrs Deutsche Sommernacht Arm Kräutchen Lebhafte Winterstraße Sommerfrische An der alten Elster Das Turngedicht am Pferd Auf dem Fliegenplaneten Schöne Fraun mit schönen Katzen Aus meiner Kinderzeit Genau besehn In der Neujahrsnacht Der Glückwunsch Abgesehen von der Profitlüge Entschuldigungsbrief Aus der Kundenkunde Freundschaft Das Herz laviert nicht Ein Taschenkrebs und ein Känguruh Arm Kräutchen Auf den eisbedeckten Scheiben Enttäuschter Badegast Die Flucht der Heiligen Familie Ich wollte Dir was dezidieren Einsiedlers Heiliger Abend Ab Kopenhagen Aus der Vogelkunde Der letzte Weg An die Masse Aufgebung An meinen Kaktus Am Hängetau An M. Am Barren An Alfred Schloßhauer An M. Frucht-Zucht-Frucht Freiübungen An einem Teiche Ferngruß von Bett zu Bett Großer Vogel Die Krähe An meinen Zigarettenrauch An meine Herberge in Stuttgart Die Badewanne Ach wie schön, dass Du geboren bist An ein startendes Flugzeug Am Sachsenplatz - Die Nachtigall Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Datteldu Brautnacht Abermals in Zwickau An Land August 1929 Abschied der Seeleute Abendgebet einer erkälteten Negerin Abschied von Renée