Joachim Ringelnatz Gedichte - Entschuldigungsbrief

Joachim Ringelnatz
Mein lieber S., als ich am andern Tag
Erwachte, wußte ich nicht mehr Genaues.
Ich hab ein rotes Auge, Ruth ein blaues.
Wie sich das zugetragen haben mag!!

In meinem Anzug klebt ein Pfund Spinat.
Wie kam das nur? Ich weiß nur noch, daß Deine
Frau oder Oskars in den Spiegel trat.
Doch wer goß Hermann Suppe auf die Beine?

Ich gebe zu, daß ich den Anlaß gab.
Ich war besoffen wie noch nie seit Wochen.
Verzeiht mir, was ich ge-, zer- und verbrochen
Und daß ich Fips mit Wachs beträufelt hab'.

Nun sind wir alle plötzlich jäh entzweit
Und waren Freunde, die nie beßre finden.
Man sollte bei solch reicher Festlichkeit
Lieber mehr essen und sich überwinden.

Wie war die Bowle gut und der Fasan!
Vorbei. - Am liebsten würd' ich mich erhängen. -
Verdammt nicht ganz den, der das Porzellan
Euch gern ersetzen will. Ohne sich aufzudrängen.

Joachim Ringelnatz (deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Freunde Streit Trinken

Weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz

Miliz So gut wie schlecht Nichts geschieht Die Litfaßsäulen Der Mann der meine Schuhe putzt Die Schnupftabaksdose Fand meinen einen Handschuh wieder Brief auf Hotelpapier Der Seriöse Die Lupe bietet sich an Von einem, dem alles danebenging Nie bist du ohne Nebendir Ein Pflasterstein, der war einmal Der Komiker Lustig quasselt Bürger, den ich meine Schnauz und Miez Liedchen Es lebe die Mode! Ein ehemaliger Matrose fliegt Angstgebet in Wohnungsnot Morgenwonne Was dann? Es war ein Stahlknopf irgendwo Ein Strolch sieht spielende Kinder Der Zahnfleischkranke Der Unfall Dreiste Blicke Der Sperling und das Känguru Von dem großen Elefanten Draußen schneits Dickhäuter Zwei Tannenwurzeln Die Kartenlegerin Das scheue Wort Der Bücherfreund Der Athlet Das Mädchen mit dem Muttermal Das Geschwätz Aneinander vorbei Im Park Pinguine Aus dem Tagebuch eines Bettlers Ein männlicher Briefmark erlebte Einsamer Spazierflug Ansprache eines Fremden Das Geseires einer Aftermieterin Die Ameisen Der Sänger Berlin Doch ihre Sterne kannst du nicht verschieben Ein ganzes Leben Heimatlose Aus Insel Hiddensee Ein Stück Bierflasche Das Schlüsselloch Drei Tage Tirol Weihnachten Fliegerleute Heimatlose Septembertag Nebel am Wattenmeer Essen ohne Dich Winter Begrüßung eines soeben Gelandeten Die Feder Vorfreude auf Weihnachten Ein Nagel saß in einem Stück Holz Flugzeuggedanken Die Frau mit der Reiherfeder Eine Zuschauerin im Flughafen Babies Blues Ehrgeiz Neuschnee Die Fliege im Flugzeug An meinen Lehrer Das Nasobem Der sächsische Dialekt Der letzte Tag vergangnen Jahrs Lebhafte Winterstraße Arm Kräutchen Schöne Fraun mit schönen Katzen Deutsche Sommernacht Auf dem Fliegenplaneten Das Turngedicht am Pferd Aus meiner Kinderzeit An der alten Elster Sommerfrische In der Neujahrsnacht Der Glückwunsch Genau besehn Abgesehen von der Profitlüge Auf den eisbedeckten Scheiben Entschuldigungsbrief Aus der Kundenkunde Enttäuschter Badegast Ein Taschenkrebs und ein Känguruh Freundschaft Die Flucht der Heiligen Familie Arm Kräutchen Das Herz laviert nicht Einsiedlers Heiliger Abend Ich wollte Dir was dezidieren Ab Kopenhagen Aus der Vogelkunde Der letzte Weg An die Masse An meinen Kaktus Aufgebung Am Hängetau An M. Am Barren An M. Frucht-Zucht-Frucht An Alfred Schloßhauer Freiübungen Ferngruß von Bett zu Bett An einem Teiche Die Badewanne Großer Vogel Die Krähe Ach wie schön, dass Du geboren bist An meinen Zigarettenrauch An meine Herberge in Stuttgart Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Datteldu An ein startendes Flugzeug Am Sachsenplatz - Die Nachtigall An Land August 1929 Abermals in Zwickau Brautnacht Abendgebet einer erkälteten Negerin Abschied der Seeleute Abschied von Renée