Gustav Falke Gedichte - Der Garten des Todes

Gustav Falke
Schweigend führte mich der Tod
Durch ein erlöschendes Abendrot
An seine gastliche Pforte
Und sprach mit gütigem Worte:
Tritt ein in meinen Garten, Freund.

Du findest hier Gesellschaft viel,
Freundlich Wort, Sang und Saitenspiel,
Friedetag, der deinem Sehnen und Hoffen
Hält seine weichen Arme offen.
Gesell dich meinen Kindern nun.

Über weiße Blumen schritt
Der Tod und zog mich lächelnd mit,
Kühl, kühle Hand. Mit freundlichem Neigen
Trat er in einen seligen Reigen;
Hier, euer Bruder, sprach er sanft.

Mit stillen Augen grüßten sie.
Ich sah so reine Liebe nie
In einem Blick ihren süßen Segen
In eine andre Seele legen.
Da küßte ich dem Tod die Hand.

Gustav Falke (deutscher Schriftsteller)

Garten Tod