Gustav Falke Gedichte - Der junge Morgen

Gustav Falke
Früh war der Morgen aufgewacht
Und schüttelte die Locken,
Drauf lag der Tau der Sommernacht
Wie Funken und wie Flocken.

Dann rieb er sich die Augen aus
Und weitete die Lunge,
Und fröhlich sprang ins Feld hinaus
Der schöne, große Junge.

Gleich ward vor seinem raschen Fuß
Die erste Lerche munter
Und trillerte ihm ihren Gruß
Hoch aus der Luft herunter.

Er warf ihr beide Arme nach,
Als wollte er sie greifen,
Sie aber schien das blaue Dach
Des Himmels schon zu streifen.

Da lockte ihn der Wiesenquell,
Der durch die Blumen eilte,
Das Wasser war so klar und hell,
Daß er mit Lust verweilte.

Er freute sich des Angesichts,
Das ihm entgegenblickte,
Und kniete hin und wollte nichts,
Als daß er eben nickte.

Lag lange so, ganz Glück und Traum,
Und ließ die Locken hangen,
Und kühlte aus dem Wellenschaum
Sich Stirn und braune Wangen.

Ein schillerndes Libellenpaar,
In seligen Liebestänzen,
Umzirkelte sein blondes Haar,
Und alles war ein Glänzen.

Gustav Falke (deutscher Schriftsteller)

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