Richard Zoozmann Gedichte - Göttin Industrie

Richard Zoozmann
Ein grauer Herbsttag war es ... An eisernen Gittertoren
Wanderte ich vorbei, in tiefen Gedanken verloren,
Und hatte des Weges kaum acht.
Aus turmhoh'n Riesenschloten stieg auf in geballten Säulen
Der schwefelgelbe Qualm — es war ein Zischen und Heulen,
Als tobte eine Gigantenschlacht.

Und näher trat ich. Es bebte vom Schlag der Eisenhämmer
Weithin das Erdreich, und grell durchzuckten des Tages Dämmer
Die Opferflammen der Industrie.
Das braust und surrt und prasselt in sinnbetörendem Streit:
Es donnert das Riesenorchester unserer eisernen Zeit
Sich seine erhabenste Sinfonie . . .

O Zeit, ich lern' dich verstehen, o eiserne, blutige Zeit,
Ich sehe die schwarzen Kyklopen, erlösender Arbeit geweiht,
Ich sehe sie schüren die Glut.
Sie schlagen die kühn-gewölbten Brücken über die Klüfte,
Sie führen die eisengepanzerten Türme hoch in die Lüfte,
Sie zwingen Gebirge und Meeresflut.

Sie jagen auf endlosen Bahnen ums Weltall die rollenden Wagen,
Von fernen Inseln und Küsten die Schätze herbeizutragen,
In fruchtbar-bereicherndem Kreise...
Ihr Männer der blauen Bluse, ihr Männer der schwieligen Faust,
Ihr seid die Gebieter der Erde, um euer Schwungrad saust
Die Welt im neuen Geleise!

Richard Zoozmann (deutscher Autor und Redakteur)

Fortschritt Herbst Zeit